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CLUSTER HEADACHE
Nicht wenige Deutsche verwenden in der Umgangssprache für den Cluster-Kop fschmerz den englischen Begriff Cluster-Headache.
Der CLUSTER-HEADACHE, auch als Ery throprosopalgie bezeichnet, kommt selten vor, betroffen sind etwa ein Prozent der Bevölkerung.
Der Cluster Headache
tritt etwa 10 mal seltener als die Migräne auf. Männer sind viel häufiger
betroffen als Frauen (im Verhältnis 3:1).Die Krankheit beginnt in der Regel im
mittleren und höheren Lebensalter. Bei 20 % der Patienten finden sich andere
Kopfschmerzanfälle
in der Familie, bei 7% der Fälle leiden Familienangehörige ebenfalls unter einem
Cluster Headache.
Die Ätiologie
(= Krankheitsursache) des
Cluster Headache
es
ist unbekannt. Es wird eine Störung im Hypothalamus
(= Teil des Zwischenhirns)
vermutet (Mumenthaler 2002).
Es gibt Hinweise darauf, daß eine biologische Rhythmusstörung vorliegt, die sich
in einer gehäuften Frequenz von Cluster Headache
-Episoden im Frühjahr und Herbst zeigt. Auch ist die zirkadiane
(= den 24 Stunden Rhythmus
betreffende) Hormonausschüttung
gestört.
Der Cluster Headache tritt hpts. in zwei Formen auf:
Die Symptome (= Krankheitszeichen) beim Cluster Headache (chronischer und episodischer) führen manchmal zur einer Verwechslung mit der Trigeminusneuralgie, aber auch mit der Migräne.
Hauptsymptom
(= vorherrschendes
Krankheitszeichen) beim
Cluster Headache ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum) oder frontotemporal
(=
Stirn
-/
Schläfenbereich
betreffend) in Attacken und
vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis
zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der
Schmerz charakter mit bohrend
oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu
Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung
der Pupille und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie
Nase
nträufeln als Begleiterscheinungen. Manchmal treten auch Übelkeit und
Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der
Migräne führen
kann.
Im Gegensatz zu
Migräne
patienten sind Patienten mit
Cluster Headache (chronischer und episodischer) eher unruhig und
laufen während der Attacke umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als
bei Migränikern. Der einschießende
Schmerz
charakter und die extreme Schmerzintensität können zur Verwechslung mit
der
Trigeminus-Neuralgie
Anlaß geben.
Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer- und
Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, H istamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Bezüglich der Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung)
scheint bei diesem Schmerzsyndrom dem H istamin eine
besondere Rolle zuzufallen.
Therapie bei Cluster Headache (chronischer und episodischer):
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß ein
episodischer Cluster Headache schubartig verläuft, d.h.
monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle
kennzeichnen diese Kopfschmerzform. Ein chronischer Cluster Headache
kommt eher seltener vor.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kopfsc hmerzen ist es auch beim Cluster Headache oftmals
erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander
auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Therapie der akuten Cluster Headache -Attacke:
Wegen der häufig kurzzeitigen Attackendauer
kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten
wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale
(= Zäpfchen)
Verabreichung von z.B.
Ergotamin ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll.
Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode
zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine
Nase
nsonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß
entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen
verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke spricht der akute
Cluster Headache in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen
Nerven
supraorbitalis (ca. 1 ml), supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen
Austrittspunkt, und die großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten
Schmerzareals im St
irn- /Schlä
fenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain. In hartnäckigen Fällen
führen wir diese Behandlung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich
durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären Bedingungen
durchführbar ist.
Wiederholte Blockaden des
Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich) bzw. auch des
Ganglion cervicale superius
(= vegetative
Schaltstelle im
Rachenbereich)
mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
können ebenfalls sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges
Lidocain (= ein
mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem
(= überstrecktem)
und 30-40% zur betroffenen Seite rotiertem
Kopf (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist beim Cluster Headache
(chronischer und episodischer) auch
Ergotamin. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein
ergotaminbedingter
Dauerkopfschmerz (Ergotaminkopfschmerz)
ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl. kombiniert mit 1g
Metamizol.
Das
Migränemittel
Sumatriptan (aber auch Zolmitriptan, Naratriptan,
Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan oder Eletriptan)
ist auch beim Cluster Headache sehr wirksam, insbesondere unter
die Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst
injizierbar), ansonsten 100mg oral
(= durch den Mund)
oder auch als Nasenspray. Bei Wiederauftreten von
Schmerzen maximal
zwei Applikationen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen
berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann
das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen
werden (Tfelt-Hansen 1993).
Cluster Headache -Prophylaxe (= Vorbeugung) :
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil
(= eigentlich ein Mittel gegen hohen Blutdruck, aber auch
beim Cluster Headache wirksam).
Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der
Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Cluster Headache ist
unbekannt.
In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei
Cluster Headache (chronischer und episodischer)
mit gutem Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr),
initial unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann beim Cluster Headache
Lithium empfohlen werden
(= eigentlich ein Mittel gegen
die Depression, aber auch zur Vorbeugung bei Cluster Headache wirksam).
Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Cluster Headache wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen
Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung
versucht werden, z.B. mit Prednisolon. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8
Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid
(= ein Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur Cluster Headache -Prophylaxe verwendet
werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Cluster Headache -Prophylaxe
regelmäßig täglich Ergotam
in zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit die gefürchteten
Ergotaminkopfschmerzen
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Cluster Headache -Prophylaxe (= Vorbeugung) hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren wir dann auch die Nerven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Kopfschmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen beim Cluster Headache:
Anders als z.B. bei der Migräne spielen beim Cluster Headache (chronischer und episodischer) psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung ein Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben beim Cluster Headache (chronischer und episodischer) nur selten einen positiven Effekt.
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