KOPFSCHMERZ
chronischer Kopfschmerz
Teil 2 - Fortsetzung von der Seite
www.1-kopfschmerz.de
Ergänzende Methoden zur Migräne-Kop
fschmerzbehand lung:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie (=
alleinige Behan dlung) ist die Wirkung in der
Migränetherapie in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen
Indikationen für die Akupunktur ist der
Kopfschmerz. Zur
Behand lung
des
Mig ränekop
fschmerz
es dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so
z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behand lung
des Mig ränekopfschmerz
es mit Schmerzakupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
kann beim Mig ränekop
fschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer
At tacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer At tacke verhindern.
Bei vielen Mig ränepatienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die
Halswirbelsäule
angrenzende
Muskulatur, teilweise auch die Schultermuskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Massagen, Kältebehandlung) und Krankengymnastik
als ergänzende Behand lung
bewährt. Manchmal kann bei Mig ränekop
fschmerz
auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Linderung erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Mig räne auch die Hydrotherapie
in Form von Wechselbädern der Ext remitäten
(Ar me und B eine) und/ oder Kneippschen Güssen.
Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer
neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Mig räne auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Auch
psychologischen Interventionen können
einen Mig räne-
Kopfschmerz lindern:
hauptsächlich Entspannungstechniken, Streß- und Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als
Kopfschmerz vom
Spannungstyp
bezeichnet):
Dieser Schmerz kann in zwei übergeordneten Formen auftreten:
Der
Spannungskopfschmerz von allen genannten Begriffen am wenigsten klar
definiert. Der Begriff wird deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie (= die verschiedenen
Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht
einheitlich angegeben. Nach Meyer (1989) ist die Lokalisation der
Kop fschmerzen
wechselnd,
oft fronto/okzipital (= im Stir n/Hinterhaupt-Bereich auftretend),
Soyka (1989) dagegen gibt als Schwerpunkt die
Nac ken- und
Hinterkopfregion an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf, bohrend und
spannend bezeichnet. In der Regel liegen die Beschwerden beiderseits vor. Nach
unseren Erfahrungen geben die betroffenen Patienten häufig an, die Kop
fschmerzen
steigen von der Hinterkopfregion auf und breiten sich dann diffus bis zu beiden
Augenhöhlen aus.
In der Regel beginnen der
Ko pfschmerz vom
Spannungstyp
schleichend morgens und steigert sich dann im Verlauf des Tages, meist den
ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im Tagesverlauf unterschiedlich
lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit (milden)
vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das Vorliegen
von
Migränekopfschmerzen in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die
Hinterkopfregion beiderseits oft druckschmerzhaft. Teilweise ist die Kalotte (=
der knöcherne Schädel) klopfschmerzhaft. Sehr
häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich Muskelverspannungen, diese
können auch bis zur Schultermuskulatur reichen.
Fast alle Patienten mit
Spannungskopfschmerzen geben an, daß Aufmerksamkeit und
Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten. Eine Unterteilung in
"episodische (= von Zeit zu Zeit
auftretende)
Spannungskopfschmerz
en" und
"chronische Spannun gskopfschmerzen" erscheint nicht sinnvoll, weil
damit lediglich Verlaufsvarianten beschrieben werden, die sich selbst bei
gleichen Patienten häufig abwechseln können.
Eine Verspannung der
perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus kulatur, wie es dieser Kopfschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht
zwingend. Psychische Überlagerung, vor allem in Form von depressiver
Verstimmung und/oder psychovegetativer Labilität ist häufig. In der Regel
dominiert die pflichtbewußte und leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop fschmerzen
(=
zum Herausfinden um welche
Kopfschmerzform es sich handelt)
eignen sich Nervenblockaden
(=
Nervenbetäubungen). Während einer regelrechten
Blockade der Ner ven
supraorbitales, occipitales majores und minores sowie
auriculotemporales (infiltrativ im
Schläfe
nbereich) bleiben i.d.R. Kop
fschmerzen vom Spannun gstyp weg, nicht aber
ein
vasomotorischer Kopfschmerz
(=
von Blutgefäßen ausgehende) oder
posttraumatischer
Kopfschmerz (=
nach Verletzungen auftretende Kop fschmerz),
sofern diese auf meningeale (=
hirnhautbedingte) Störungen zurückzuführen sind.
1.3 Trigeminoautonome Kopfschmerzen
a)
Paroxysmale
Hemikranie (CPH):
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben.Charakteristische Merkmale sind streng
einseitig auftretende
Kopfschmerzanfälle hauptsächlich im orbitalen (=
die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die Sti rn betreffend)
und/oder temporalen (= die Schlä fe betreffend) Bereich und einer Dauer von 2 bis 45
Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der
Wahl gilt auch hier Indometacin, alternativ
soll das Piroxicamderivat
Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
b) Zu erwähnen wäre noch das seltene
SUNCT-Syndrom. Dabei kommt es zu 15 bis 120
Sekunden lang anhaltenden, einseitigen Sch merzattacken
um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion (= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße
im Auge als Folge von Blutfülle), Lakrimation (=
Tränenfluß) und Nasenträufeln. Zusätzlich besteht ein
gleichseitiges Gesichtschwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist.
c)
Cluster-Kopfschmerz
(Cluster-Headache):
Synonyme
(= weitere Bezeichnungen)
für diese eigenständige, von der Mig räne
und der Trigeminusneuralgie
abzugrenzende Kopfschmerzart sind:
Erythroprosopalgie,
Bing-Horton-Kopfschmerz, zil iare
Neuralgie und N.
petrosus-
Neuralgie.
Die Krankheitsursache ist
unbekannt.
Hauptsymptom (= vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim
Clusterkopfschmerz ist der streng
einseitig, in aller Regel periorbital (=
um das Auge herum) oder frontotemporal (=
Stirn-/Schläfenbereich betreffend) in Attacken
und vorwiegend nachts auftretende Schmerz
von unerträglicher Intensität und
einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der
Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch
nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges,
evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte
(partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleiterscheinungen.
Manchmal treten bei
Clusterschmerzen auch Übelkeit und Brechreiz auf, was
zu Verwechslungen mit der Mig räne
führen kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten während einer
Clusterattacke eher
unruhig und laufen während dem
Clusteranfall umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt
als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme
Schmerzintensität können zur Verwechslung mit der
Trigeminus-Neuralgie Anlaß
geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer-
und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und Nitroglyzerin,
öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von
Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die
Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Therapie bei
Clusterkopfschmerz:
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß der
Clusterkopfschmerz meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in
Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese
Kopfschmerzform. Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kop fschmerzen ist es auch bei
Clusterkopfschmerzen oftmals erforderlich,
die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die
optimale herauszufinden.
Therapie akuter Clus ter-
Kop fschmerzen:
Wegen der häufig
kurzzeitigen Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die
innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale (=
Tabletten, Tropfen) und rektale (=
Zäpfchen) Verabreichung von z.B. Ergotam in ist
daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff
über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die
Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode
hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten
der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten Mig räneattacke sprechen akute Clus ter-
Ko pfschmerzen in der Regel auf
die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
an. Bewährt hat sich die
Betäubung der schmerzseitigen Ner ven
supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im
Stirn -
/
Schläfenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer
muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum (=
örtliches Betäubungsmittel) der ersten Wahl ist
bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5%. In hartnäckigen
Fällen führen wir diese Therapie mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal
täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären
Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte Betäubungen des
Ganglion stellatum (=
eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) oder
Ganglion cervicale superius (=
eine vegetative Schaltstelle im hinteren
Rachen)
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim Clusterkop fschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale
Instillation (= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (=
ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem
Kop
f (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist bei Clus ter-
Kop fschmerzen auch Ergotam in. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch
ergotaminbedingte
Dauerkopfschmerzen ausbilden können. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann
auch Dihydroergotamin i.m. (i.v.) (= in den Muskel, in ein
Blutgefäß) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol.
Das
Migränemittel Sumatriptan,
(bzw. auch andere Triptane) ist auch bei Clus ter-
Ko
pfschmerz
en
sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor
vom Patienten selbst injizierbar, oder als Nasenspray), ansonsten 100mg oral (=
durch den Mun d). Bei Wiederauftreten von Schmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings bei Kop
fschmerzen erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Prophy laxe (= Vor beugung) der Clus ter- Kop fschmerzen:
Zur Prop hylaxe der Clus ter- Kop fschmerzen hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (= betäuben) wir dann auch die Nerven occipitales major und minor. Optimal ist diese Therapie unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Therapie fallen in der Regel die Kopfschmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei Clus ter-
Kop fschmerzen:
Anders als z.B. bei der Mig räne
spielen bei Clus ter-
Kop fschmerzen
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben bei Clus ter-
Kop fschmerzen
nur selten einen positiven Effekt.
1.4 Andere primäre Kopfschmerzen
Vertebragener Kopfschmerz (zervikogener
Kopfschmerz):
Der Unterschied zum
Kopfschmerz
vom Spannun gstyp dürfte nur darin bestehen, daß mit dem Begriff
"ver tebragen" (=
wirbelsäulenbedingt) lediglich auf eine mögliche
Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird. Die Schmerzausstrahlung
verläuft vom
Nacken
aufsteigend zur
Stirn
hin, nicht selten tritt gleichzeitig
ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom auf.
Okzipitalneuralgie:
Die primäre, id iopathische (=
als eigenständige Erkrankung auftretende)
Occipitalneuralgie ist selten. Es tritt ein einseitig einschießender
Kopfschmerz im Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkop f bis
Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer
Okzipitalisneuralgie
wird durch probatorische (= zur Klärung der Diagnose
durchgeführte)
Nervenblockaden mit z.B. 1-3 ml
Mepivacain
1% (=
mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der Trigeminus-Neuralgie liegt häufiger eine atypische Form
vor, gekennzeichnet durch einen meist einseitig auftretenden
Kopfschmerz und
längerfristige Schmerzepisoden bis hin zu
Dauerschmerzen.
Hemicrania
continua (anhaltender
Halbseitenkopfschmerz):
Diese
Kopfschmerz art soll stets einseitig und seitenkonstant als anhaltender
Kopfschmerz
auftreten. Differentialdiagnostisch (= um
herauszufinden um welchen Kopfschmerz es sich handelt)
zu verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin
ansprechen (Sjastaad 1984). Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls
um einen
Kopfschmerz vom Spannungstyp, allerdings halbseitig auftretend.
Raeder-Syndrom:
Dieser
Kopfschmerz ist im Versorgungsgebiet
des Nervus ophthalmicus (=
oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist dem
Clusterkopfschmerz
ähnlich.
Neck-tongue-Syndrom
(Nacken-Zungen-Syndrom):
Der
Kopfschmerz tritt attackenartig
einseitig hinterkopfbetont auf und ist von einer unangenehmen
Hypästhesie
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes (= das untere
Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2.Halswirbel, ermöglicht Drehbewegungen des
Kopfes) vermutet (Bogduk
1981).
Neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Kopfschmerzform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen) Spannungskopfschmerz ist schwierig und auch
nicht unumstritten. Auch bei diesem
Ko pfschmerz
können milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht- und Geräuschempfindlichkeit)
oder auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen. Neu aufgetretene
Kop fschmerzen weisen mindestens zwei der
folgenden Eigenschaften auf:
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren -n.
Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen
wurde auf einen Zusammenhang mit Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei Spannungskopfschmerzen.
Kopfschmerztherapie:
Die Schwierigkeit
genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß ein
Kopfschmerz in allen
möglichen Variationen auftritt, sowohl hinsichtlich der Intensität als auch
der Periodizität (= zeitliches
Auftreten).
Die
Kop fschmerzcharakteristika sind
nicht nur von Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im
Verlauf der Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die
aktuelle Behand lung
angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem
Patienten wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn
scheinbar Diagnose und Symptomatik (=
Krankheitszeichen) übereinstimmen. Letztlich gilt
es also, für jeden Kopfschmerz -Patienten eine optimale individuelle Behand lung
zu erarbeiten,
was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse
Kopfschmerzbehandlung:
Die
Behand lung
des primären (= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kopfschmerzes mit Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(=
ursächlicher) Therapiemöglichkeiten eine
Notlösung, weshalb im Hinblick auf die Nutzen-Risiko-Relation die
Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der aktuellen Leidenssituation
des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und
Kontraindikationen (= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Behand lung
unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich
gilt, daß Schmerzmittel
möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen.
Die Gefahr einer Gewöhnung oder gar Abhängigkeit wird durch Verordnung von
Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders gefürchtete Beimischungen
sind Barbiturate, Kodein und Ergota min.
Akuttherapie
bei einem Kop
fschmerz:
Für
die Behand lung
primärer (= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführende) Kopfschmerz
en haben sich folgende Analgetika (=
Schmerzmittel)
bewährt: Acetylsalicylsäure, Paracetamol und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind diesog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans (=
ein Mittel zur Muskelentspannung), z.B. Baclofen hilfreich sein. Der akute Kopfschmerz vom Spannun gstyp
spricht auch
auf Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der
Migränebehandlung. Bei unzureichender Wirkung von
Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch Metamizol
versucht werden. Die i.v. Applikation (= in eine Blutader
verabreicht) (langsam) führt zu einem schnellen
Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann allerdings die gefürchtete
Agranulozytose (= Zerstörung bestimmter
Blutzellen) auftreten.
Alternativ kommt aus der
Gruppe der zentral wirksamen (= im
Rückenmark bzw. Gehirn wirkenden) Schmerzm ittel
beim Kopfschmerz vom Spannun gstyp
noch Tramadol in Frage, evtl. in
Kombination mit einem peripher (= direkt
im Schmerzbereich) wirkenden Schmerzm ittel.
Tilidin, selbst in Verbindung mit Naloxon hat nach unseren
Erfahrungen immer noch ein gewisses Suchtpotential. Eine Entwöhnung bzw. eine
Entzugsbehandlung ist manchmal sehr schwierig.
Opioide oder Opiate (=
morphinähnliche Schmerzmittel) sollten eher
zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
in Form
von Nervenblockaden (= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung die Wirkung deutlich über die
Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels hinaus anhält.
Behand lung
beim subakuten oder chronischen
Kopfschmerz:
Zur Behand lung
subakuter
(= eher mäßiger) oder chronischer Kopfschmerz
en
haben sich verschiedene psychotrope Substanzen
(= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen) (z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid
ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als besser
verträglich. Doxepin eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend.
Die genannten tri- und
tetrazyklischen Antidepressiva (= Mittel
gegen Depressionen, aber auch beim Kopfschmerz hilfreich) können auch im Sinne einer
Kopfschmerz
vom Spannun gstyp
-Prop hylaxe (=
Vor beugung) eingesetzt werden. Oftmals behalten
wir diese Medikation nach einer erfolgreichen Behand lung
für weitere 2-3 Monate
bei, allerdings in reduzierter Dosierung (z.B. nur abends).
In hartnäckigen
Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte Verabreichung
eines Neuroleptikum
s (= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt. Wir bevorzugen
Levomepromazin in der Dosierung 3x3-15 Trpf. Levomepromazin wirkt
psychomotorisch (= hinsichtlich Psyche und
Bewegungsabläufe) stark dämpfend, so daß es in
Kombination besonders mit dem ähnlich wirkenden Maprotilin vorsichtig dosiert
werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten (=
Mittel, die dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid, Lisurid und Pizotifen) ist beim Kopfschmerz vom Spannun gstyp durch Studien bisher nicht
belegt. Auch die Wirksamkeit der Beta-Blocker (=
blutdrucksenkende Mittel, aber auch nachgewiesen hilfreich bei Mig räne)
wie z.B. Propanolol und Metoprolol ist beim Kopfschmerz
vom Spannun gstyp
wissenschaftlich bisher nicht eindeutig nachgewiesen, sie
können dennoch versucht werden.
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden"
Begleitsymptomatik (= z.B. Übelkeit,
Licht- und Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Zur Behand lung
der
Occipitalneuragie
eignen sich Antikonvulsiva (= Mittel gegen
die Fallsucht). Als erste Wahl gelten heute Gabapentin
oder Pregabalin,
als 2. Wahl Carbamazepin.
Das Mittel der Wahl bei
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz) und bei der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin.
Therapeutische
Lokalanästhesie beim
Kopfschmerz:
Die Behand lung
mit langwirkenden Lokalanästhetika
(= örtliche Betäubungsmittel)
Bupivacain, Etidocain) hat sich in der Behand lung
des primären (=
nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführender) Kopfschmerz
es sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chronischen
Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990).
Dabei werden (stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner ven, die an der sensiblen
Versorgung des Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2
ml blockiert. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis-
Region (= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte (=
Schmerzreizpunkte) infiltriert. Von besonderer
Bedeutung sind die myofaszialen (=
von Mus keln und deren Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger
deutlicher Beteiligung der Halswir belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch.
Beim halbseitigen Kopfschmerz vom Spannun gstyp ist auch die wiederholte
Betäubung des Ganglion stellatum (=
vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum hilfreich. Im chronischen Stadium,
aber auch beim episodenhaften (= von Zeit
zu Zeit auftretenden) Kopfschmerz vom Spannun gstyp, wenn
die schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B. nicht mehr als 1
Woche), ist diese Behand lung
um so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet
wird. Als optimal erwiesen sich zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von
ca. 10-20 Tagen, was in der Regel allerdings organisatorisch meist nur
stationär möglich ist. Nicht selten kann eine anhaltende deutliche
Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit, manchmal sogar schon nach wenigen
Sitzungen erreicht werden. Unter einer solchen intensiven therapeutischen
Lokalanästhesie kann in der Regel auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich
durchgeführt werden, sofern das Abusus- (=
Mißbrauch-) oder Abhängigkeitsverhalten
tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa auf ein psychisches
Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse
Kop fschmerzbehand lung:
Wie
bei der
Migränebehandlung werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend
eingesetzt, teilweise sind sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der
Gesamttherapie.
Bei der Punkteauswahl zur Akupunktur dominiert das
Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem After beginnt und sich über die
Spitze der Dornfortsätze der Wir belsäule, über die Schädelmitte bis zur
Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden hauptsächlich die Punkte 19, 23 und 25;
zusätzlich Punkte des Gallenblasen-Meridians im Kop fbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann
et al. 1986).
Auch die transkutane Nervenstimulation mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat sich bei
Kopfschmerz
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig
Schmerzmittel
einsparen,
oftmals kann auf zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
Wenn ein
Kopfschmerz mit Störungen im Bereich der Halswir belsäule einhergeht,
ist in der Regel die Verordnung von physikalischen Therapiemaßnahmen
(Fango, Wärmeapplikationen usw.) sowie Krankengymnastik hilfreich.
Besonders zu empfehlen sind Autoelongationsübungen. Manchmal kann auch durch
eine manuelle Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Verbesserung
erzielt werden.
Bewährt hat sich auch die wiederholte oberflächliche
Kältebehandlung im Nac ken-/HWS-Bereich, evtl. auch unter Einschluß der
angrenzenden Schultermuskulatur. Im Rahmen einer Kurmaßnahme ist bei
Kopfschmerz auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und /
oder Kneippschen Güssen empfehlenswert. Auch Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung
bioelektrischer Signale) kann hilfreich sein.
Auch
beim
Kopfschmerz hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken
(Progressive Relaxation nach Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Beim
streßinduzierten
Kopfschmerz ist ein Streßbewältigungstraining
hilfreich.
2. Sekundärer Kopfschmerz (symptomatischer Kopfschmerz):
Dieser Begriff bezeichnet einen Kopfschmerz, der als Symptom (= Krankheitszeichen) auf eine faßbare organische oder psychische Ursache zurückzuführen ist. Die schematische Gliederung der möglichen Ursachen orientiert sich der besseren Übersicht wegen im folgenden am Symptom "Kopfschmerz ".
2.1.
Kopfschmerz als (zunächst) einziges Symptom:
Diese Gruppe umfaßt
mögliche Ursachen, bei denen typischerweise ein
Kopfschmerz überhaupt oder
zunächst als einziges Krankheitszeichen auftritt.
Differentialdiagnostisch
(= zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen)
wichtig innerhalb dieser Gruppe: "Psyc hogener"
Kopfschmerz.
Nach Soyka (1989) gibt es kein spezifisch psyc hogenes
(= rein psychisch bedingtes) Kopfschmerz
-Synd rom.
Das "Ad-Hoc-Commitee" definierte den "psyc hogenen"
Kopfschmerz als halluzinatorische Sinnestäuschung oder Ausdruck einer
Konversionsneurose ohne peripheren Schmerzmechanismus. Die Kritik an dieser
Definition setzt bei letztgenanntem Kriterium ein, gibt es doch einen primären
Kopfschmerz, bei dem auch kein peripherer Schmerzmechanismus bekannt ist.
Insgesamt gesehen dürfte ein rein psyc hogen verursachter Kopfschmerz relativ
selten sein, wenngleich wir ihn in der Klinik recht häufig sehen (ca. 3-4%
aller Patienten mit einem chronischen
Kopfschmerz). Dies ist jedoch darauf
zurückzuführen, daß sich in einer
Schmerzklinik naturgemäß Patienten mit
einem therapieresistenten
Kopfschmerz häufen.
2.2.
Kopfschmerz als Begleitsymptom (=
zusätzlich auftretendes Krankheitszeichen):
Neben einem
Kopfschmerz sind in der Regel weitere Symptome für die exakte Diagnose richtungsweisend. Die Kenntnis der möglichen Krankheitsbilder ist allerdings
wichtig, da manchmal auch in untypischer Weise ein
Kopfschmerz als zunächst
einziges Symptom auftreten kann. Außerdem gilt es, andere Begleitsymptome
nicht zu übersehen.
2.2.1
Arteriitis temporalis (= En tzündung der Schläfenschlagader)
(auch als
Arteriitis cranialis oder
Arteriitis granulomatosa
bezeichnet): Ursache
ist die
Riesenzellenarteriitis
(Riesenzellarteriitis), die vorwiegend neben der A. temporalis (=
Schlagader an der Sch läfe) auch die A. carotis externa
(= äußere Halsschlagader) und die A. centralis
retinae (= Schlagader im Auge)
befallen kann. Der anhaltend bohrende, in seiner Intensität wechselnde
Kopfschmerz, hauptsächlich im
Schläfenbereich, tritt meist im Rahmen eines
allgemeinen Krankheitsgefühls auf. Häufig bestehen auch
Muskelschmerz und
Gelenkschmerz. Anhaltende
Schläfenschmerzen sprechen
relativ gut auf wiederholte Infiltrationen im Ausbreitungsgebiet des N.
auriculotemporalis mit lang wirkenden
Lokalanästhetika (= örtlichen Betäubungsmittel)
an.
Bei Befall der Kaumuskulatur tritt die typische Claudicatio mastica toria (= Kaumuskelschwäche)
auf. Die Blutsenkung ist regelmäßig stark erhöht.
Schon der Verdacht auf eine
Arteriitis temporalis zwingt wegen der Gefahr der Erblindung (Befall der A.
centralis retinae) zur sofortigen Kortisonbehandlung. Der Nachweis der Krankheit
erfolgt histologisch (= durch
Gewebeuntersuchungen).
2.2.2 Folgende internistische Krankheiten können, wenn auch relativ selten, mit einem Kopfschmerz einhergehen: Schilddrüsendysfunktion, Nebenniereninsuffizienz, Hypoglykämie, Hyperparathyreoidismus, Hypophysenadenom, Anämien, Panzytopathien, Leukämien, Angina pectoris, Aorteninsuffizienz.
2.2.3 Exogene Intoxikationen (=
durch äußere Ursache entstandene Vergiftungen) (Soyka
1980):
Eine Vielzahl von Noxen (=
schädliche Substanzen) kann einen
Kopfschmerz
auslösen. Manche Autoren (z.B. Bing 1948) bezeichnen dieses Schmerzbild
als
vasomotorischer Kopfschmerz
(= von den
Blutgefäßen ausgehender Kopfschmerz). Die
Schmerzsensationen nehmen meist innerhalb von Stunden zu, der Schmerzcharakter
wird oft als dumpf, bohrend und pulsierend angegeben. Häufige Lokalisation:
hinter den Augen, an S tirn, Schlä fen
und ringförmig um den ganzen Schädel.
Die Schmerzdauer hängt von der Dauer der Exposition (=
Zeitdauer der Gifteinwirkung) ab.
Häufig liegt
auch eine Mitbeteiligung des autonomen (=
unwillkürlichen) Nervensystems in Form von
Herzsensationen, Hyperhidrosis (= starkes
Schwitzen) oder Schwindelgefühl vor. Die
Vorgeschichte zeigt häufige Wiederholung des Beschwerdebildes.
Medikamente. Bei dieser Gruppe tritt ein
Kopfschmerz als
Begleitsymptom oft schon in therapeutischer Dosierung auf, so daß man dann
allenfalls von einer relativen Intoxikation
(= Vergiftung) sprechen kann.
Folgende Wirkstoffe
sind besonders zu erwähnen: Tetrazykline, Nitroglyzerin, Nalidixinsäure und
Indometazin. Nicht selten klagen Frauen über einen
Kopfschmerz bei gleichzeitiger Kontrazeptiva- Medikation (=
Antibabypille). Vitamin A -Überdosierung, oft als
Folge einer Selbstbehandlung, ist ebenfalls zu erwähnen.
Auch Schmerzmittelmißbrauch
kann auf Dauer zu einem Kopfschmerz (Schmerzmittel-Kopfschmerz,
Analgetikakopfschmerz)
führen. Häufig werden sogenannte "rezeptfreie" Schmerzmittel im
Rahmen einer Selbstbehandlung bevorzugt. Verstärkend wirken Tranquilizer (=
Mittel zur Beruhigung) oder barbiturathaltige
Arzneimittel.
Die sog. kritische kumulative Wochendosis
(= Menge die sich in einer Woche anhäuft), bei
deren Überschreiten die Ausbildung eines durch Medikamente hervorgerufenen
Kopfschmerz es droht, beträgt für Koffein 340 mg, Barbiturate 210 mg, Paracetamol 1875 mg, Pyrazolonderivate 1025 mg, Codein 60 mg und für ASS
(= bekannt als Aspirin) 1750 mg (Diener
1993). Es ist zu bedenken, daß sich hinter der Diagnose "Schmerzmittel-Kopfschmerz" auch eine
Migräne, ein
Kopfschmerz vom
Spannungstyp oder
sogar ein
Kombinationskopfschmerz verbergen kann.
Der Entzug von Analgetika (=
Schmerzmittel)
verursacht häufig den typischen Entzugskopfschmerz, der etwa zwischen 3
und 10 Tagen anhält. Meist bestehen vegetative Begleitsymptome wie Schwindel,
Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch innere Unruhe. Auffallend ist, daß der Schmerzm ittel-
Kopfschmerz
ungleich häufiger bei Patienten auftritt, bei denen die ursprüngliche
Schmerzquelle, wegen der Schmerzm ittel
überhaupt eingenommen wurden, ebenfalls
ein
Kopfschmerz ist. Diese Beobachtung läßt vermuten, daß Kopfschmerz
-Patienten hinsichtlich der Ausbildung eines Schmerzm ittel-Kopfschmerz
es
deutlich empfindlicher reagieren als Patienten, die wegen anderer, nicht im Kop f lokalisierter,
chron ischer
Schmerzsyndrome einen
Schmerzmittelabusus
betreiben.
Ähnliches gilt auch für den Analgetikaentzugs
kopfschmerz.
Diesen sehen wir hauptsächlich bei Patienten mit einem vorbestehenden, chronischen Kopfschmerz. Ergota min-Mißbrauch
führt ebenfalls zu
Dauerkopfschmerzen (Ergotamin-Kopfschmerz
en), die sich bei Migränikern dem
ursprünglichen Schmerzbild aufpfropfen, wodurch ein Kombi
nationskopfschmerz
entsteht.
Die sog. kritische kumulative Wochendosis (=
Menge die sich in einer Woche anhäuft) liegt für
Ergotamintartrat bei 5 mg und für Dihydroergotamin bei 7 mg (Diener
1994). Der Entzug von
Ergota min verursacht analog zum
Schmerzmi ttelentzug
ebenfalls Beschwerden, vor allem aber treten in dieser Phase heftigste
Migräneattacken gehäuft auf.
2.2.4
Posttraumatischer Kopfschmerz:
Der
sogenannte post traumatische
(= nach einer
Verletzung auftretende)
Kopfschmerz kann
prinzipiell nach jeder Verletzung im Kop f-/Nac kenbereich auftreten. Weder die
Art der Ve rletzung
noch das Ausmaß der Gewebsdestruktionen korrelieren mit der
Intensität und der Dauer dieses Kopfschmerz es. So kann ein vergleichsweise
harmloses Schleudertrauma
(Beschleunigungsverletzung) ohne objektivierbare
krankhafte Veränderung zu einem heftigsten
Kopfschmerz führen, während Patienten
mit einem ausgedehnten Schädelbasisbruch nach Ausheilung völlig
kopfschmerz frei sein können. Hinsichtlich Intensität, Periodizität (=
zeitliches Auftreten) und Lokalisation (=
Ort an dem die Schmerzen empfunden werden) gibt es
ebenfalls keine Gesetzmäßigkeiten.
Ein posttrau matischer
Kopfsch merz kann
sowohl als Kopfsch merz vom
Span nungstyp als auch als
Migräne-Kopfschmerz oder
gemischt, im Bereich der St
irn und/ oder am Hinterkop f
Eine erwähnenswerte Besonderheit des post traumatischen Kopfschmerz
es ist die
dysau tonome
Kephalgie.
Einseitige, attackenartige Schmerzsensationen mit vegetativer Beteiligung,
teilweise auch Mydriasis (= weite Pupille)
und Sehstörungen, kennzeichnen dieses Schmerzbild.
Behand lung
beim sekundären (= auf
eine Grundkrankheit zurückzuführenden)
Kop fschmerz:
Grundsätzlich gilt es, die
herausgefundene Schmerzursache ursächlich zu behandeln bzw. zugrundeliegende
Noxen (= schädliche Stoffe)
wegzulassen. Intermittierend (=
zeitweilig), bis z.B. eine kausale (=
gegen die Ursache gerichtete) Behand lung
wirksam
wird, können Schmerzm ittel
verabreicht werden.
Kann die ursächliche Krankheit
nicht oder nicht mehr erfolgreich therapiert werden (z.B. fortgeschrittener
Hirntumor), können Behandlungsmaßnahmen wie beim primären Nicht-Mig räne-
oder Bing-Horton-Kopfschmerz versucht werden.
Die Behand lung
bei der Arteriitis temporalis (= En tzündung der
Schläfenschlagader) besteht in sofortiger
Verabreichung von Kortikosteroiden. Als Einstiegsdosis werden 100mg Prednisolon
täglich empfohlen, jeweils nach 5 Tagen wird dann um 10 mg reduziert. Der
therapeutische Fortschritt kann an der Blutsenkung ersehen werden.
Wenn ein
Schmerzmittelmißbrauch tatsächlich auf ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom und
nicht etwa auf ein eigendynamisches Suchtpotential zurückzuführen ist, besteht
die Behand lung
des daraus resultierenden
Schmerzmittel-Kopfschmerz es in
sofortigem Absetzen des Schmerzmittels und nicht etwa in ausschleichender
Dosisreduzierung. Da mit dieser Maßnahme ja die Schmerzquelle, wegen der die Schmerzm ittel
überhaupt eingenommen wurden, nicht ausgeschaltet wird, muß die Behand lung
derselben mit anderen Mitteln fortgesetzt werden, denn es macht ja
wenig Sinn, in dieser Situation wieder auf (andere) Schmerzm ittel
zurückzugreifen. Als alternative Behand lung
eignet sich in besonderem Maße die
wiederholte Verabreichung eines lang wirkenden örtlichen
Betäubungsmittels
(z.B. Bupivacain) in Form der therapeutischen Lokalanästhesie. Parallel zum Entzug verordnen wir zur Abschirmung möglicherweise auftretender vegetativer
Entzugserscheinungen Trimipramin, initial (= zu
Beginn) i.v. (= in die Blutader).
Nicht selten besteht
gleichzeitig auch ein Benzodiazepin-Mißbrauch. Eine diesbezügliche
Entzugssymptomatik kann mit Carbamazepin oder Valproinsäure behandelt werden (Apelt
et al. 1992).
Die
Entzugsbehandlung bei
Schmerzmittelabusus erfordert intensive
ärztliche Interventionen, was in der Regel nur im Rahmen einer stationären Behand lung
durchführbar ist (Schmerzklinik).
Der "psyc hogene" (=
psychisch verursachte) Kopfschmerz
sollte stationär psychosomatisch orientiert behandelt werden. Da die
betroffenen Patienten fast regelmäßig auf einer körperlichen Ursache ihrer
Schmerzen "bestehen", ist es nicht sinnvoll, sofort in die
Psychotherapie einzusteigen, man riskiert damit nur, daß der Patient die Behand lung
abbricht. Indem wir mit einer täglichen therapeutischen
Lokalanästhesie im Kopfbereich beginnen, geben wir dem Patienten das Gefühl,
daß auch wir an die körperliche Entstehung seiner Schmerzen glauben.
Gleichzeitig aber bestehen wir darauf, daß der Patient an
Einzelentspannungsübungen wie z.B. autogenem Training teilnimmt, was meist auch
eingesehen und toleriert wird. Der Psychotherapeut, der auch das autogene
Training durchführt, erhält so die Gelegenheit, die Patienten kennenzulernen
und Vertrauen zu bilden, um auf dieser Basis allmählich in psychologische
/ psychotherapeutische
Interventionen einsteigen zu können.
Hilfreich ist auch eine 3-4 tägige
psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur
wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam,
zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl.
Eine weitere Interventionsmöglichkeit bietet die Verabreichung psychotroper
schmerzdistanzierender Substanzen (=
Mittel zur Behan dlung
der Psyche, aber auch bei einem Kopfschmerz hilfreich).
In der Klinik sehen wir den Kombinat ions kopfschmerz immer häufiger, wobei eindeutig die Kombination eines primären (= als eigenständiges Krankheitsbild auftretenden) (hauptsächlich Mig räne) mit einem sekundären (= als Folge einer Erkrankung oder "Vergiftung" auftretenden) (hauptsächlich Schmerzmittel-Kopfschmerz ) Kopfschmerz dominiert. Bei Beteiligung eines Schmerzm ittel- Kopfschmerz es kann oftmals die Ursprungskomponente erst nach einer Ent zugsbehandlung diagnostiziert werden, weil erst dann die ursprüngliche spezifische Symptomatik wieder in den Vordergrund rückt. Ein Kombinat ions kopfschmerz tritt fast immer als Dauerkopfschmerz auf.
Die Kombinationen
1. Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "migränoide Kephalgie" (= migräneartiger Kopfschmerz).
2. Mig räne und Schmerzm ittel-/ Ergotamin-Kopfschmerz. Bei dieser Kombination dominiert als zweite Komponente aufgrund eines Schmerzm ittel- oder Ergota minabusus (= mißbräuchliche Anwendung von Ergota min) ein vasomotor ischer (= von Blutgefäßen ausgehender) Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter Entzug des Ergotamins (= in dem als alleinige Maßnahme das Ergota min weggelassen wird) führt häufig zu statusartigen (= anhaltenden) Migräneanfälle n.
3. Spannun gs- und Schmerzmittel-Kopfschmerz. Anamnestisch (= in der Vorgeschichte) trat der ursprüngliche Kopfschmerz vom Spannun gstyp früher sehr häufig, oft täglich auf und zwang so zu häufiger Schmerzmitteleinnahme, wodurch sich schleichend zusätzlich ein Schmerzm ittel- Kopfschmerz ausbildete. Aktuell geben die Patienten meist Dauerkopfschmerzen mit wechselnder Intensität an.
4. Andere Kombinationen sind möglich, jedoch seltener, so z.B. vertebragener Kopfschmerz (= von der Halswir belsäule ausgehender Kopfschmerz) und Schmerzm ittel- Kopfschmerz.
Behand lung des Kombinations kop fschmerzes:
1. Zur Behand lung der Kombination von Mig räne und Kop fschmerz vom Spannun gstyp gilt als Mittel der Wahl die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker (= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen Mig räne) und einem Antidepressivum (= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch beim Kopfschmerz hilfreich). Wir bevorzugen Propanolol, 160-240 mg/d und Maprotilin, bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Behand lung hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) im Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch Schmerzm ittel verabreicht werden.
2. Bei allen Kombinationen, die mit einem Schmerzm ittel- oder
Ergota minabusus (=
mißbräuchliche Anwendung von Schmerzmittel bzw. Ergota min)
einhergehen, wie die Kombinationen Mig räne und
Schmerzm ittel- oder
Ergota min-
Kopfschmerz, steht zunächst die
Entzugsbehandlung im
Vordergrund. Wegen des gefürchteten Entzugs
kopfschmerz es sollte die Behand lung
stationär in einer
Schmerzklinik erfolgen.
Nach unserer
Erfahrung läßt sich ein
Entzug besonders erfolgreich mit Trimipramin (= ein Mittel primär zur Behan dlung
der Psyche, wirkt aber auch beim Kopfschmerz lindernd)
bewerkstelligen. Der sonst ca. 3-10 Tage anhaltende Ent zugs-
Kopfschmerz
spricht in der Regel zuverlässig auf die wiederholte (1 bis 2 mal tägliche)
therapeutische Lokalanästhesie im Kopfbereich an.
Die Behand lung
mit einem
örtlichen Betäubungsmittel ist in dieser Situation die optimale Lösung, da es
wenig sinnvoll ist, den Ent zugs- Kopfschmerz wieder mit (anderen) Schmerzmitteln
behandeln zu wollen. Da die
therapeutische
Lokalanästhesie auch zur
prophylaktischen (=
vorbeugenden) Migränebehandlung geeignet ist,
tritt die ursprüngliche Mig räne nach einem erfolgreichen Entzug oft nur noch
in abgeschwächter Form auf.
Bei nicht ausreichender Wirkung kann immer noch
zusätzlich ein Betablocker (=
Blutdruckmittel, das auch bei Migr äne hilft)
(z.B. Propanolol) oder ein Serotonin-Antagonist
(= ein dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkendes Mittel)
verabreicht werden.
3. Die Behand lung
der Kombination Spannun gs- und
Schmerzm ittel-
Kopfschmerz erfolgt analog zu 2. Zunächst beginnt man wieder die Ent zugsbehandlung mit Trimipramin unter dem Schutz einer
wiederholten therapeutischen Lokalanästhesie (= Behan dlung
mit einem örtlichen Betäubungsmittel).
Im Zuge einer stationären Behand lung
führen wir diese dann 2x täglich noch
ca. 10-14 Tage konsequent weiter.
Zur
Schmerzprophylaxe
(= Schmerzvorbeugung) des Spannungs
kopfschmerz es ist
die Einleitung einer schmerzdistanzierenden psychotropen Medikation
(= Mittel zur Behan dlung
der Psyche, wirkt
aber auch bei Kopfschmerz) sinnvoll. Dazu tauschen
wir dann später Trimipramin gegen Maprotilin oder Doxepin aus.
4. Vom Prinzip her gelten die beschriebenen Therapiemaßnahmen auch für andere
Kombinationen. Ist eine Komponente ein Schmerzm ittel- Kopfschmerz, so
erfolgt immer zunächst der Entzug, danach wird das ursprüngliche Kopfschmerz
-Synd rom
behandelt. In der Praxis ist es allerdings oft nicht einfach, einen Kombinationskopfschmerz zu erkennen, besonders wenn eine
langjährige chronische Verlaufsform vorliegt.
Auch wenn wir nicht sicher sind,
daß ein Schmerzm ittel- (oder
Ergota min-) Kopfschmerz vorliegt, dies aber
aufgrund des aktuellen Medikamentenverbrauchs theoretisch möglich erscheint,
führen wir die beschriebene
Entzugsbehandlung durch, wobei wir die gewohnte,
bisherige Schmerzmittelmedikation sofort absetzen. Nicht selten bleibt ein
Kopfschmerz nach dieser Behand lung
völlig weg, so daß dann nicht einmal mehr
im nachhinein eine differenzierte Diagnose gestellt werden kann.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
im Bereich des Kopfes zur Ent zugsbehandlung:
Blockade aller Ner ven, die an der
sensiblen Innervation (= Versorgung)
des Schmerzbereichs beteiligt sind (infrage kommen die Ner ven
supraorbitales,
occipitales majores et minores), mit 1-2 ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5% an ihren
Austrittspunkten, 1 bis 2 mal täglich. Zusätzlich werden, falls betroffen, die
Aurikulotemporalis- Region (= Schlä fenbereich) und korrespondierende
Triggerpunkte (= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= Mus keln
und deren Gewebsumhüllung betreffende)
Triggerpunkte.
Bei einem hinterkopfbetonten
Kopfschmerz, auch mit mehr oder weniger
deutlicher Beteiligung der Halswir belsäule, unabhängig davon wie der
Kopfschmerz nach den obengenannten Kriterien klassifiziert wurde, führen wir in
gleicher Sitzung tiefe Infiltrationen der paravertebralen
(= an die Wir belsäule angrenzenden)
Mus kulatur
mit insgesamt etwa 4- 6 ml durch.
Grundsätzlich sind auch bei den verschiedenen Kombinat ions kopfschmerz en nichtmedikamentöse Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane (= über die Haut verabreichte) elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden und Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale), insbesondere aber auch eine psychologische Schmerztherapie und das Erlernen von Entspannungstechniken sowie ein Schmerzbewältigungstraining.
Besteht ein chronisches Schmerzsyndrom längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung kaum mehr ausreichend, sondern es muss im Rahmen von psychologisch /psychotherapeutische Interventionen auch eine spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben. Gleiches gilt für die "üblichen" Reha-Kliniken.
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